03.10.26, 18 Uhr: Souad Lamroubal "Die Demokratie der Anderen - Was der Kampf um Zugehörigkeit mit uns macht. "

Einladung zu
Souad Lamroubal
DIE DEMOKRATIE DER ANDEREN –
was der Kampf um Zugehörigkeit aus uns macht

Sa 03.10.2026, 18:00 Uhr

Liebe Mitglieder und Freunde des ost-west-forums,
sehr geehrte Damen und Herren,

im Namen unseres Vorstands begrüße ich Sie alle sehr herzlich. Wir haben heute einen Gast, der mir auf eine seltsame Weise vertraut ist, obwohl ich ihn noch nie gesehen habe. Und wir haben ein Thema, das ihnen vertraut sein wird, wenngleich wir es bisher aus verschieden Blickwinkeln und Ebenen behandelt haben. Da waren die ungerechtfertigten Abschiebungen von Flüchtlingen, da war die Frage, was wir tun müssen, um die ständig wachsende Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund mit unserem Wertesystem nicht nur vertraut zu machen, sondern es zum Teil ihrer Überzeugungen werden zu lassen. Dahinter steht einerseits die Tatsache, dass wir jährlich um die 400 000 neue Arbeitskräfte brauchen, als auch die Sorge, dass auf Grund der sehr unterschiedlichen Entwicklung in absehbarer Zeit Menschen mit Migrationshintergrund die Mehrheit bilden und damit über demokratische Wahlen die Politik mehr und mehr bestimmen können.

Es geht also um die Frage, ob Menschen die sich integrieren wollen, aber aufgrund des Verhaltens von Staat, Parteien, Medien und einer Mehrheit der Bevölkerung sich nicht als vollwertige Bürger und Bürgerinnen empfinden – ob unsere Gesellschaft fähig ist, eine spürbare positive Veränderung zu erreichen.
Es geht also um das Gefühl umfassender Zugehörigkeit.

Zugehörigkeit ist ein Grundpfeiler der Demokratie – doch wer entscheidet, wer wirklich dazugehört? Souad Lamroubal geht diesen Fragen nach, indem sie persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlicher Analyse verbindet. Offen erzählt sie von ihrem eigenen Weg als Deutsche mit Migrationsgeschichte – nicht als Opfer, sondern als Gestalterin, die ihren Platz in der Demokratie aktiv einfordert. Ihr Buch zeigt, wie Ausgrenzung wirkt, wie Anerkennung entsteht und warum Gleichberechtigung kein Zugeständnis, sondern ein demokratisches Versprechen ist. Dabei entwirft sie eine Vision einer neuen Mitte, die Vielfalt nicht nur akzeptiert, sondern als Stärke begreift. Ein kraftvolles Plädoyer für Teilhabe, Zusammenhalt und eine Demokratie, die alle einschließt.

Ihre beiden Bücher mit den Titeln: „Die Demokratie der Anderen – was der Kampf um Zugehörigkeit aus uns macht“ sowie „Yallah Deutschland, wir müssen reden“ werden nach der Veranstaltung von der örtlichen Buchhandlung im Vortragssaal zum Verkauf angeboten. Frau Lamroubal wird signieren.

Wir freuen uns sehr, Frau Souad Lamroubal auf Gut Gödelitz zum Vortrag und der anschließenden Diskussion begrüßen zu dürfen.

Mit herzlichen Grüßen,
Axel Schmidt-Gödelitz

Zur Person: Souad Lamroubal

Geboren 1982 in Dormagen. Ihre Eltern stammen aus Marokko. In den ersten Jahren lebt sie – wie viele Einwanderungskinder in dieser Zeit – in einem sogenannten Brennpunkt, inmitten von Armut und viel Gewalt. Dennoch hat sie die Zeit gut in Erinnerung: Denn obwohl es offensichtlich viele Probleme gibt, gibt es immer viele Kinder und es gibt „Mama – sie war immer da“!
In der Schule war sie laut, rebellisch und anstrengend für die Lehrer und Lehrerinnen.
Auf dem Gymnasium fingen aus ihrer Sicht die Probleme erst richtig an: Es ist ein anderes Umfeld, andere Mitschüler, andere Lehrkräfte, die beim Beruf ihres Vaters – Kesselreiniger – die Nase rümpfen. Ihr wird vermittelt, dass sie nicht dazugehört.

Wie in vielen Familien mit Migrationsgeschichte muss sie ihre Eltern auf Behördengänge begleiten um zu übersetzen. Sie erlebte, wie Sachbearbeiter ihren Vater demütigten. Sie spürte seine Angst – und dass er alles schluckte.

Sie bliebt sitzen, mit der Unterstützung eines engen Freundes und ihrer Mutter hatte sie dennoch Erfolg, gewann Stabilität und Selbstbewusstsein und bestand das Abitur.
Jura ist im Gespräch – aber sie entscheidet sich für die Kommunalverwaltung, genauer: Sie wird Beamtin in der Ausländerbehörde. Sie will verändern, sie will ein anderes Verhalten, eine andere Politik gegenüber den Migranten. Aber sie kann nicht so viel verändern, wie sie möchte. Die Politik, die Strukturen und ein Teil ihrer Kolleginnen und Kollegen sind nicht bereit, Souads Erfahrungen anzunehmen und in ein anderes Verhalten und menschlichere Entscheidungen einfließen zu lassen.
Souad Lamroubal verändert ihr Arbeitsleben: Sie verlässt die Ausländerbehörde, geht in die Lokalpolitik, etabliert sich als Migrationsexpertin die Vorträge hält und Bücher schreibt. Auf diese Weise will sie die aus ihrer Sicht und aus ihrer Erfahrung dringend notwendigen Veränderungen in der Migrationspolitik erreichen.

P.S.: Ich war dreimal längere Zeit in Marokko. Einmal verbrachte ich dort als Student meine gesamten Semesterferien. Das zweite Mal als Stipendiat, um vor Ort für meine Doktorarbeit zu forschen – das dritte Mal war ich im Auftrag der UNESCO in Marokko, um im Rahmen der Entwicklungshilfe ein Projekt aufzubauen und an der Universität in Rabat Vorträge und Seminare anzubieten. Das Land empfand ich als das schönste und landschaftlich vielfältigste, das ich kenne. Die Menschen sind liebenswert, ungemein gastfreundlich und hilfsbereit.
Da Souad Lamroubals Eltern aus Marokko stammen und sie das Land als ihre zweite Heimat zu begreifen scheint, war sie mir von Anbeginn sehr nahe. Eben: wie eine langjährige Freundin.

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